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Besondere Merkmale des Sprachförderkonzeptes und pädagogischen Ansatzes

Inhalt:

Allgemeine Aspekte

  • Die Sprachförderung Deutsch als Erst- und Zweitsprache wird in einen aufmerksamen pädagogischen Kontext gesetzt. Sie ergänzt die alltägliche und situativ begleitende Sprachförderung durch strukturiert aufbauende Förderelemente für die Kleingruppe der Kinder mit Sprachentwicklungsbedarf.
  • Die situativ geförderte Sprachqualität und die strukturierte Förderqualität in der Kleingruppe beeinflussen sich wechselseitig und befruchtend. Gefördert wird mit der Haltung des „sowohl, als auch“ an Stelle einer Haltung des „entweder – oder“. So steigt der Effektivitätsgrad zum Nutzen der Kinder.
  • Die ErzieherInnen erkennen sich bei der Durchführung des Förderkonzeptes mit ihrem vertrauten pädagogischen Handlungsrepertoire schnell wieder. Sie können zusätzlich zu den vielfältigen spielerischen Anregungen des Sprachförderprogramms auf eigene, also bereits vorhandene elementarpädagogische Erfahrungen in Spiel, Anleitung, Aktion und Projekt zurückgreifen. Ihre Kompetenz wird insofern eingebunden.
  • Pädagogische Sprachförderung unterscheidet sich von therapeutischer sprachlicher Förderung. Mögliche Abgrenzungen der pädagogischen und therapeutischen Sprachförderung gilt es in Kooperation mit LogopädInnen und SprachtherapeutInnen sorgsam auszuloten. LogopädInnen bearbeiten sowohl die pädagogische, wie auch die therapeutische Seite der sprachlichen Förderung (bei Stimm-, Schluck-, Sprech- und Sprachstörungen). ErzieherInnen bearbeiten mit den Kindern die Entwicklung der altersgerechten sprachlichen Kompetenzen und die Förderung von Deutsch als Zweitsprache. Den persönlichen und beruflichen Kompetenzen angemessen agiert jede berufliche Rolle adäquat.
  • Das vorliegende Förderkonzept steht ErzieherInnen, GrundschulpädagogInnen und LogopädInnen gleichermaßen für ihre Förderbedarfe zur Verfügung.
  • Der Förderansatz wird zur vorschulischen Sprachförderung Deutsch in vielen Bundesländern ausdrücklich empfohlen.

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Adressaten  

  • Die Nutzung des Förderkonzeptes kann bereits mit Kindern ab drei Jahren begonnen werden. Sprachlich höher qualifizierte Bausteine sind einsetzbar bis zur angeschlossenen Alphabetisierung, also hinein bis in das 1. – 2. Besuchsschuljahr.
  • Kinder in Kindertageseinrichtungen, Grundschulen, Hortgruppen und Hausaufgabenhilfen profitieren von der Umsetzung dieses Förderprogramms.

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Konzept

  • Das Konzept wurde von 1998 bis 2001 in Tageseinrichtungen und im Übergang zur Grundschule erprobt im Kreis Düren und mit großem Erfolg umgesetzt. Die Veröffentlichung und das Konzept stehen seit 2001 bundesweit zur Verfügung. Das Buch erscheint zurzeit in fünfter Auflage als „1. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe“. Sechs Jahre weitere Erfahrung mit der Umsetzung dieses Förderansatzes in vielen bundesdeutschen Kindertageseinrichtungen ist in die Materialien zur Sprachförderung und interkulturellen Arbeit eingeflossen.
  • Die sprachfördernden Elemente sind im Kapitelaufbau so angeordnet, dass sie den Kindern altersgerecht aufbauende sprachliche Impulse geben. Die Spielanregungen – dargestellt in Basisaktivitäten und spielerischen Varianten (insgesamt nun 285 spielerische Anregungen in der 1. aktualisierten und erweiterten Neuauflage 2007) – verlangen kein schulspezifisches Lern- oder Arbeitsverhalten auf Seiten der Kinder.
  • Die Themen erweitern sich wie konzentrische Kreise und berücksichtigen den stets größer werdenden Aktionskreis und die zunehmende Selbständigkeit der Kinder. Die damit einhergehenden sprachlichen Bedürfnisse spiegeln sich in den sich immer mehr ausdifferenzierenden Förderinhalten zum Wortschatz, der Ausdruckskraft, der sprachlichen Variabilität und den grammatischen Ansprüchen.
  • Ein Überblick über die praktischen Förderelemente ist zügig zu erlangen. Die Einarbeitung in das Konzept nimmt damit relativ wenig Zeit in Anspruch und ist von der Handhabbarkeit her äußerst BenutzerInnen freundlich.
  • Die zehn Themenbereiche und ihre einzelnen Bausteine sind sehr übersichtlich angeordnet. Sie zeigen nicht nur eine stetig aufbauende Sprachförderung für Kinder von einfachem Spracherwerb mit deutlicher Wortschatzerhöhung bis zur differenzierten Ausdrucksweise an, sondern auch, dass die Bausteine variabel auf den Sprachstand des Kindes bzw. der Fördergruppe hin ausgewählt werden können.
  • Das Konzept arbeitet ausdrücklich über gelebte Kommunikation auf der Basis der Beziehung zwischen Erzieherin oder Erzieher und Kind bzw. Kindergruppe. In den spielerischen Situationen koppeln sich Sprache mit gefühlsmäßigem Ausdruck und altersgerechte relevanter Aktion. Miteinander agiert wird über die Elemente persönlicher Kontakt, gruppenspezifische Interaktion und regelmäßige, achtsame und dialogische Kommunikation. Die Beziehungsebene zwischen der fördernden erwachsenen Person und dem Kind und der Gruppe, sowie der Kinder untereinander, ist Basis der sprachlichen Förderung.
  • Die Nutzung der weiteren Kopiervorlagen im Anhang des Buches rundet den pädagogischen Ansatz dieser Förderung ab. Der Aufnahmebogen dient dem qualifizierten Erstgespräch mit deutschen und zugewanderten Eltern. Der Sprachstandsbogen dient zur Beobachtung und Einschätzung der aktuellen sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes. Er ist als praxisnaher Beobachtungsbogen anzusehen und nicht standardisiert. Sein Einsatz benötigt nicht viel Zeit und leitet die sorgsame Wahrnehmung der sprachlichen Kenntnisse eines Kindes an, ohne Anspruch auf valide Testergebnisse. Der Elternhandzettel setzt Eltern über die aktuell erarbeiteten Themen und Inhalte in Kenntnis uns fordert zur parallelen Stärkung der Familiensprache/n auf.
  • Als Ideengeber, Grundlagen- und Vorlagenmaterial behält die Mappe auch dann ihren besonderen Wert, wenn die Erzieherin/ der Erzieher Professionalität und Routine in der Sprachförderung erlangt.

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Kompetenznutzung und -stärkung

  • Das vorliegende Sprachförderprogramm bietet ErzieherInnen durch permanente Anleitung die Gelegenheit, sich zur natürlich sprachstärkenden Persönlichkeit zu entwickeln. Die dadurch bewirkte sprachzentrierte Bewusstheit fließt in das sprachfördernde Rollenverständnis und den situativ gelebten Alltag regelmäßig ein.
  • Nutzt die fördernde Person zusätzlich den angebotenen Reflexionsbogen (siehe: Anhang zum Förderkonzept), so ergibt sich hierdurch quasi eine Eigenevaluation. Der Reflexionsbogen stärkt die Eigenwahrnehmung der sprachfördernden Kompetenz, die Reflexion des Materialeinsatzes und der methodischen Umsetzung, sowie die Kompetenzerweiterung der Kinder.
  • Der Reflexionsbogen verweist auch auf die resümierende Betrachtung der Sprachförderung mit KollegInnen und Eltern. Gelingen Gespräche mit anderen sprachfördernden ErzieherInnen der Einrichtung, mit den die Großgruppe leitenden Kräften, im Team oder in der Praxisbegleitung (evtl. auch Supervision), so erhöhen sich die professionalisierenden Effekte um ein Vielfaches.
  • Die ErzieherInnen lernen begleitend den pädagogischen Kontext der Interkulturellen Pädagogik kennen oder vertiefen ihre entsprechenden Vorkenntnisse. Dies gelingt durch die dem Sprachprogramm beigefügten ausführlichen „Didaktischen Hinweise“. In insgesamt ebenfalls 10 Kapiteln zur Sprachentwicklung von Kindern, Förderung der Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache, interkulturellen und antirassistischen Ansätzen, Hinweisen für die Zusammenarbeit mit Eltern, interkulturellen Materialien, Vernetzungen und interkulturellen Konzeptentwicklung werden die Sprachförderelemente in den geeigneten pädagogischen Kontext gesetzt. ErzieherInnen erwerben so parallel vertiefende Kenntnisse über eine pädagogische Ausrichtung mit hoher Bedeutung für die unmittelbare Zukunft.
  • Die ErzieherInnen erhalten vor allem Hinweise auf die Zusammenarbeit mit Eltern, damit sie mit diesen als VertreterInnen von Erst- und Zweitsprache verlässlich kooperieren können. Ziel ist, dass ElementarpädagogInnen und Eltern erweitertes Wissen über Sprachförderung und Förderung der Mehrsprachigkeit erlangen und miteinander teilen (siehe auch: Elke Schlösser: „Zusammenarbeit mit Eltern - interkulturell“, Ökotopia Verlag, Münster, 2004).
  • Das Sprachförderkonzept stärkt bei längerer intensiver Nutzung deutlich die Sprachförderkompetenz der ErzieherInnen, da die Verinnerlichung sprachfördernder Elemente, Aktionen und Gruppendynamik in das persönliche pädagogische Handlungsrepertoire der ErzieherInnen übergeht. Alles, was sie im alltäglichen Umgang mit Kindern sprachlich begleitend tun, wird dann zum permanenten Repertoire der begleitenden Sprachförderung.

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Erfahrungen

  • Die Aspekte der sicheren Bindung an die pädagogische Förderkraft, der Beziehungsförderung und sprachlichen Förderung wirken unmittelbar – nach Berichten der PraktikerInnen mit hohem Erfolg – auf die Verhaltensweisen der Kinder der Fördergruppe in der großen Regelgruppe aus. Es sinken bald aggressive Verhaltenstendenzen, wenn sprachliche Frustrationen ursächlich waren. Regressive Prozesse können aufgehalten und auf die Dauer umgekehrt werden. Kommunikations- und Beziehungsrückzug, die evtl. durch sprachliche Einschränkungen erwuchsen, finden einen Ausweg und können durch die Stärkung der Kinder in der Kleingruppe mit Hilfe des hohen sprachlichen Ermutigungscharakters aufgefangen werden.
  • Insgesamt berichten PraktikerInnen über erfolgreiche Stützung des Selbstbewusstseins, des Regelbewusstseins, der Beziehungs- und Konfliktfähigkeit, der Fähigkeit zu Toleranz und Friedfertigkeit. Diese Effekte ergeben sich durch die Ganzheitlichkeit des Ansatzes, immer mit dem besonderen Augenmerk auf sprachlich sichere Ausdrucks- und Kommunikationsfähigkeit.
  • Fortbildungen zum Konzept runden die alltägliche und gruppenspezifische Sprachförderung stärkend ab. Sie werden von der Autorin zu folgenden Themen angeboten: zur Interkulturellen Pädagogik, zur Sprachförderung, zur Förderung der Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache, zur interkulturellen Zusammenarbeit mit Eltern, zur Moderation in Elterngruppen, zu antirassistischen zweisprachigen Erzählprojekten, zum interreligiösen Ansatz und zur Interkulturellen Konzeptentwicklung.

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Erweiterte Verwendung

  • Einige Kindertageseinrichtungen nutzen „Wir verstehen uns gut“ als niederschwelliges Lernkonzept mit nicht alphabetisierten Müttern und verzeichnen gute Erfolge. Oft bieten diese Angebote die Chance, Mut zu machen für die Teilnahme an erweiternden Fortbildungsangeboten („Deutsch als Fremdsprache“).
  • Das Förderkonzept wird zum Teil von LogopädInnen zur Förderung von Kindern mit Sprachentwicklungsbedarf umgesetzt. Immer wieder äußern diese Fachkräfte, dass das Konzept gut geeignet ist für Kinder mit nicht altersentsprechender sprachlicher Entwicklung im Grenzbereich zwischen pädagogischer und therapeutischer Sprachförderung.
  • Das Konzept ist gut kompatibel mit Förderkonzepten zur Phonologischen Bewusstheit (z. B. „Hören – Lauschen – Lernen“ Küspert/Schneider, Prophylaxe Lese-Rechtschreib-Schwäche), die sich im Zeitraum von etwa 3–4 Monaten vor der Einschulung ergänzend anbieten lassen.

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Elke Schlösser

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