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Ganzheitliche Sprachförderung für deutsche und zugewanderte Kinder im Elementarbereich

Positionsbestimmung nach der PISA-Studie
von Elke Schlösser

Die Pisa-Studie rückt zahlreiche Aspekte unserer Bildungslandschaft ins Augenmerk, die bis dato zwar alltäglich bearbeitet, jedoch gerade wegen ihrer Selbstverständlichkeit und akzeptierten Notwendigkeit selten in den Blick genommen und reflektiert wurden.

Die besondere Situation der Sprachförderung im Elementarbereich geriet auf diesem Wege ebenfalls in den Mittelpunkt der Wahrnehmung und Einschätzung hinsichtlich ihrer Effektivität. Beklagt wird – nicht erst seit den Erkenntnissen der Pisa-Studie – der sinkende Sprachstand hinsichtlich des Wortschatzes und der sprachlichen Ausdrucksvielfalt bei Kindern vor dem Eintritt in die Grundschule. Gerade in diesen frühen Jahren der kindlichen Entwicklung wäre eine intensive Förderung sprachlicher Ausdrucksvielfalt sinnvoll, damit Sprache als Kommunikationsmittel und Kulturgut wirkungsvoll fruchten kann.

Die bisherigen Schilderungen bezogen sich hauptsächlich auf die Situation deutscher Kinder. Bedenken stellen sich – bei Eltern und PädagogInnen – häufig zusätzlich ein, wenn die Situation zugewanderter Kinder ergänzend in den Blick genommen wird: Sinken durch die gleichzeitige Hinwendung zu deutschen und zugewanderten Kindern die Chancen für alle, gesicherte Sprachstände im Deutschen zu erlangen? Sind zugewanderte Kinder hier eine Chance oder eher Belastung? Wie lässt sich sinnvolle und qualifizierte Sprachförderung betreiben, ohne Nachteile für eine Adressatengruppe zu bewirken? So und ähnlich lauten besorgte Fragen.

Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang die Berücksichtigung der Grundzüge des Fachbereiches "Interkulturelle Pädagogik im Elementarbereich". Dieses pädagogische Konzept geht von einer generellen Ausrichtung aller Aktivitäten nach Bedürfnislagen aus – ausgerichtet am Entwicklungsbedarf von Kindern – unabhängig von Nationalität, Herkunft, Kultur, Tradition oder Religion.

Das Konzept setzt eine Haltung der Gleichwertigkeit bei Respekt der Unterschiedlichkeit in den Mittelpunkt der Haltungen und fördert da, wo Kinder Unterstützung anzeigen oder anfragen. Dabei ist grundsätzlich von der Entwicklungsfähigkeit aller Kinder auszugehen, mit der Absicht, die Kinder gemeinsam zu einer neuen beziehungsfähigen Generation in einer interkulturellen Gesellschaft heran zu bilden. Gemeinsame (Sprach-) Förderung ist hier der sinnvolle und wirksame Integrationsaspekt. Lassen wir uns nicht von Defiziten, sondern vom tiefen Glauben an Fähigkeiten und Potentiale aller Kindern leiten. Bieten wir ihnen Beziehungen, Spielräume, Gesprächsvielfalt, Freiräume für Kreativität, Kontakt zu Kulturgütern und Sprachenvielfalt an, um sie daran nach freiem Willen wachsen zu lassen.

In vielen Kindertageseinrichtungen setzen sich ErzieherInnen mit den Inhalten der Interkulturellen Pädagogik auseinander. Sie berücksichtigen dabei die Chancen der Sprachförderung als eine Facette dieser pädagogischen Ausrichtung. Hierbei ist die Erkenntnis der gegenseitigen positiven Befruchtung von aktiver Muttersprache und qualifizierter Umgebungssprache Deutsch ein wichtiger Fakt. Die Erhöhung des Wissens über Gesetzmäßigkeiten der Sprachförderung und Förderung der Mehrsprachigkeit werden in ihren Zusammenhängen mehr und mehr angefragt und genutzt. In Aus- und Fortbildung wird der gewünschten Unterstützung von PädagogInnen zu diesen Themen zunehmend Rechnung getragen. Die entsprechende Erneuerung von Curricula in der Ausbildung von ErzieherInnen gehört zu den Aufgaben der Zukunft.

Ergänzend erscheint mir wichtig zu lernen, dabei die Bildungsaspekte zur Förderung von Kindern mit ihren kindlichen Entwicklungsbedürfnissen vereinbar zu machen. Es gilt, der Versuchung zu widerstehen, frühes bildungsrelevantes Lernen einseitig auf kognitivem Wege erlangen zu wollen. Kindergartenkinder sind in ihrer Persönlichkeitsentwicklung in einer magischen Phase: Ihre reiche kindliche Fantasie ist die Ausgleichsfunktion, die ihnen da hilft, wo die sich gerade in der Entwicklung befindlichen geistigen Kapazitäten zur Welterklärung fehlen oder noch unzureichend sind. Die schubweise Entwicklung gibt phasenweise jeweils einer Dimension der Persönlichkeit den Vorrang und lässt einer anderen Zeit zum Wachsen. Lassen wir Kindern Zeit und Raum zum geistigen Wachstum und unterstützen wir sie durch Spiel, Kreativität, Fantasie und Beziehung.

Sprachspiele, Kreisspiele, Rollenspiele, durch Bewegung verstärkte – mehrsprachige – Lieder, Geschichten und Reime, ausdrucksreich besprochene Bilder und vom intensiven Gespräch begleitete Erkundungen sind wertvolle spielerische Mittel, die eine ganzheitliche Sprachförderung begünstigen, ohne Kinder vorzeitig schulähnlichen Methoden auszusetzen. Kommen wir aber auch ihrem Bedürfnis nach Struktur und Ordnung nach und lassen wir sie lernen, mit systematischen Angeboten, die ihnen mit aufbauenden Elementen begegnen, umgehen zu lernen. So wird „das Lernen zu lernen“ für alle Kinder zum gelebten Alltag.

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