IHP Bücherdienst
Hätte das Buch keinen Untertitel, so könnte man meinen, es handle sich um eine Art Kommunikationstraining für Kinder, bei dem diese lernen können, Streit zu schlichten und Konflikte untereinander zu lösen. Irgendwie geht es indirekt auch darum. In der Hauptsache jedoch sollen Zuwanderer-Kinder (und ihre Eltern) auf spielerische Art und Weise gemeinsam mit deutschen Kindern in die Sprache ihrer Wahlheimat Deutschland eingeführt werden. „Eine gemeinsame Sprache sprechen – das ist ein lohnenswertes Ziel unseres gesellschaftlichen Miteinanders im Sinne gelungener Integration", so schreibt Landrat Wolfgang Spelthahn als Herausgeber seitens des Kreises Düren in seinem Vorwort.
Mich erreichte das didaktisch fantastisch aufbereitete Werk kurz nach dem 11. September 2001 – und es offenbarte mir einen kleinen Hoffnungsschimmer auf Integration des Fremden. „Integration – schulisch und außerschulisch – zu unterstützen und zu fördern, ist gerade in der gegenwärtigen Situation, in der rassistisch motivierte Gewalt zunimmt, ein wichtiges Anliegen", so schreibt Pastorin Karin Heucher, Vertreterin der Ev. Gemeinde zu Düren, als weiterer Herausgeber.
Das Buch von Elke Schlösser kann zweifelsfrei als effektive Handreichung zu solcher Integration genutzt werden. Hassan Ait Salah, stellvertretender Leiter der RAA Kreis Düren (Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien) nennt als Hauptziele der Schlösser-Didaktik Transport der Inhalte einer Interkulturellen Pädagogik und des Interkulturellen Lernens in der Praxis vor Ort und Zusammenarbeit aller Einzelpersonen, Gruppen, Vereine, Verbände und Institutionen, die sich regional oder auch überregional um zugewanderte Kinder und Jugendliche und deren Eltern bemühen.
Dies ist also eine Kommunikationsfibel in der Verkleidung eines Sprachförderprogramms. Wenn man die Vielzahl der Sprachübungen und zu beschreibenden Bilder vor sich sieht und als Buchbesprecher mal hie und da durcharbeitet, wird deutlich, was mit „Zusammenarbeit von Personen“ im Vorspann gemeint ist: Das Buch beinhaltet „Handwerkszeug“, das nicht primär zum Alleine-Lesen im stillen Kämmerlein zubereitet wurde – das geht allerdings auch –, sondern es beinhaltet Stoff für Gespräche und die soeben genannte Zusammenarbeit. Der pädagogische Wert kommt also dann erst richtig zum Tragen, wenn es nicht nur gelesen, sondern benutzt wird – und zwar auch von Vätern und Müttern, deren Kinder noch ganz jung sind. An einer Stelle im Buch wird die Frage gestellt: Ist der Lösungsansatz des Buches friedensstiftend, wertschätzend und konstruktiv?" (s. „Didaktische Hinweise“, Kapitel 7, „Die Materialien") Die Frage ist an der genannten Stelle bezogen auf die Beurteilung von Bilderbüchern. Es geht um Kriterien zur Erfassung der Frage, ob verwendete Kinderliteratur verdeckt rassistisch ist. Sie könnte allerdings auch auf Elke Schlössers Buch selbst bezogen sein – die Frage müsste unbedingt mit „Ja“ beantwortet werden. Möge es vielen als Grundlage einer neuen Art des lebendigen Lernens dienen. Meine Supervisorin Ruth Cohn und meine kunsttherapeutische Kollegin Elisabeth Tomalin, beide hätten sicher große Freude an dem sorgfältig aufbereiteten, didaktischen Werkzeug aus der Feder einer diplomierten Sozialarbeiterin, die sich bereits sehr früh in ihrem beruflichen Leben für eine andere, wertvolle Art des Lehrens und Lernens im Sinne Humanistischer Psychologie interessiert hat.
Dr. Klaus Lumma, Wissenschaftl. Leiter des Instituts für humanistische Psychologie


