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Neue Wege gehen

Elke Schlösser: Zusammenarbeit mit Eltern - interkulturell.
Münster: Ökotopia Verlag 2004,17,90 €

Mit diesem Band schließt Elke Schlösser eine Lücke: Sie stellt die Zusammenarbeit mit Eltern als interkulturelle Zusammenarbeit vor, weil sie »die Belange einer durch vielfältige kulturelle, traditionelle, religiöse und sprachliche Facetten geprägten Gesellschaft« zu berücksichtigen habe. Eine solche interkulturelle Zusammenarbeit meint alle hier lebenden Eltern.
Wie wohltuend: Es ist keines der Bücher über die Zusammenarbeit mit Eltern, das zugewanderte Familien einfach auslässt oder unter der Rubrik »Besondere Probleme« abhandelt, noch ist es ein »Ausländer«-Buch. Elke Schlösser möchte Erzieherinnen anregen, neue Wege der Zusammenarbeit mit deutschen und zugewanderten Eltern zu gehen, indem sie kreative Ideen und praxiserprobte Formen von Kooperation vorstellt.
Dass ihre Vorschläge erprobt sind, zeigt sich insbesondere im Praxisteil des Bandes. Und sie sind durchweg wertvoll und differenziert: Zur Wertschätzung in Einzelkontakten heißt es, Eltern dürfen von den Erzieherinnen »eine freundliche Begrüßung (erwarten), die Nennung des Namens der Pädagogin oder des Pädagogen bei der Vorstellung, die möglichst korrekte Aussprache des persönlichen Familiennamens und die Fähigkeit, bei Unsicherheit hinsichtlich der Aussprache des Namens nachfragen zu können«. Elke Schlösser bezeichnet dies als »selbstverständlich« - und man kommt unweigerlich ins Grübeln, weil es so einfach, aber überhaupt nicht selbstverständlich ist.
In den Ausführungen zu den »Tür-und-Angel-Gesprächen« macht das Zitat einer Mutter deutlich, dass auch der Kindergarten für manche Eltern eine Institution ist, die sie verunsichert und einschüchtert: »Ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch, wenn ich die Eingangstüre öffne und hoffe jedes Mal, dass mich niemand anspricht.« Erzieherinnen, die darum wissen, können Eltern gegenüber bewusst Zugewandtheit und Interesse signalisieren, auch nonverbal.
Die eingefügten »Stimmen aus der Praxis« sind eine sehr gelungene Abrundung der Praxiskapitel. Allerdings überwiegen Zitate von Erzieherinnen, es gibt hier nur wenige Stimmen von Eltern.
Besonders anregend ist die Beschreibung der »Thematischen Elternabende« zu Themen wie »Förderung der Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache«, »Integration leben«, »Eine gute Mutter, ein guter Vater sein - was ist das?« Es geht darum, relevante Aspekte der Einwanderungsgesellschaft mit der vielfältigen Elternschaft einer Kita so zu thematisieren, dass alle Eltern sich beteiligen können.
Spannend die Anregungen, wie man mit Eltern über Erziehungsvorstellungen ins Gespräch kommen kann: Was macht »gute Eltern« aus? »Zehn Gebote für den Umgang mit Kindern«. Da eigentümlicherweise die Erziehungsvorstellungen von Eltern und Fachkräften in Kitas selten thematisiert werden und es insbesondere über die Erziehungsideale von eingewanderten Eltern mehr Vorurteile gibt als fundiertes Wissen, sind solche Anregungen besonders wertvoll.
Allerdings gibt es keine Hinweise darauf, was getan werden kann, wenn es zu ernsthaften Kontroversen kommt. Sind Konflikte nicht vorgesehen? Die programmatischen Aussagen zur Interkulturellen Pädagogik im Grundlagenteil bleiben allgemein (»Ziel ist das friedfertige und tolerante Zusammenleben aller Kulturen und Nationalitäten«) und sparen die Benennung von Dominanzverhältnissen und Machtstrukturen aus. Doch um diese geht es auch, zwischen Einzelnen und Erziehungsinstitutionen, zwischen Einheimischen und Zugewanderten wie auch zwischen Privilegierten und Benachteiligten. Und sie zeigen sich auch in der Kita.
Was es für Fachkräfte bedeutet, hier kompetent zu handeln, könnte Gegenstand eines weiteren Bandes in dieser Reihe »Pädagogische Kompetenz« sein.

Petra Wagner
Welt des Kindes
Fachzeitschrift für Kindertageseinrichtungen
Heft 1, Januar/Februar 2005

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